Als ich völlig unvermittelt und plötzlich die Nachricht vom Unfalltod meines Sohnes erhielt, begann von einer Sekunde auf die nächste der wohl größte Albtraum, der eine Mutter ereilen kann.
Bis zu diesem Tag war mein Leben ein anderes. Ich hatte zwei gesunde und starke Söhne, eine Familie, einen Alltag mit all seinen schönen und manchmal auch schwierigen Momenten. Ich hatte die selbstverständliche Vorstellung, meine Kinder auf ihrem Weg durchs Leben begleiten zu dürfen.
Patrick wohnte noch zu Hause, aber ging seine eigenen Wege, hatte Freunde, mit denen er sein enormes Interesse an schnellen, lauten und tiefen Autos teilte, oder er traf sie beim Sport oder auch gern virtuell in der „Zockerwelt“ … ein normaler junger Mensch eben.
Ich liebte es besonders, wenn er gut gelaunt war, scherzte und sein unverwechselbares Kichern zu hören war. Die lustigen Momente am gemeinsamen Frühstückstisch mit seinen wilden Geschichten oder in Spielerunden vermisse ich unendlich.
public/fotos/patrick-kind.jpgpublic/fotos/patrick-jugend.jpgpublic/fotos/patrick-erwachsen.jpgNiemals hätte ich gedacht, dass ich einmal lernen muss, ohne Patrick in dieser Welt weiter zu leben.
Mit seinem Tod ist nicht nur mein Sohn aus meinem Leben verschwunden. Auch ein Stück von mir selbst, von meiner eigenen Zukunft, meiner Geborgenheit und meines Vertrauens in die Selbstverständlichkeit des Lebens ist für immer verloren gegangen.
Und neben diesem unendlichen Vermissen gibt es noch etwas, das mich immer wieder tieftraurig und manchmal auch wütend macht:
Gerade einmal 22 Sommer durfte Patrick erleben. Dabei hätten es doch gut viermal so viele werden sollen.
Er hätte noch so viel entdecken, ausprobieren, falsch und richtig machen dürfen. Sich verlieben, glücklich sein, Enttäuschungen erleben, daran wachsen, neue Pläne schmieden und seinen Platz im Leben finden. Vielleicht irgendwann selbst eine Familie gründen. Oder auch ganz andere Wege gehen …
All das lag noch vor ihm. Und all das wird er niemals erleben dürfen.
Ich werde nie erfahren, wie er mit 30, 40 oder 60 Jahren sein würde. Welche Entscheidungen er treffen würde, worüber wir gestritten und gemeinsam gelacht hätten.
Es gibt keinen Trost, der das wiedergutmachen könnte!
In der Zeit nach dem Tod von Patrick habe ich erfahren, wie schwer es sein kann, überhaupt zu begreifen, was geschehen ist. Wie viel Kraft selbst die kleinsten Entscheidungen kosten können.
Ich weiß, dass niemand einer Familie den Schmerz über den Verlust eines Kindes nehmen kann.
Aber ich weiß auch, dass es einen Unterschied macht, ob man mit diesem Schmerz allein bleibt oder ob jemand an der Seite steht.
public/fotos/doerte.jpgIn Liebe und Erinnerung an meinen Sohn PatrickDörte SlootInitiatorin des Patrick Sloot – Hilfe für Familien in Trauer e.V.
Der Patrick Sloot – Hilfe für Familien in Trauer e.V. will vornehmlich ein Angebot bieten für Familien in Mecklenburg-Vorpommern, deren Kind im Straßenverkehr tödlich verunglückt ist.
Unser Verein ist aus einer sehr persönlichen Verlusterfahrung entstanden. Die Initiative geht von einer Mutter aus, die ihren Sohn im Alter von 22 Jahren durch einen Verkehrsunfall verloren hat.
Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld haben sich zusammengefunden, um ihre Idee zu unterstützen und gemeinsam etwas aufzubauen, das anderen ähnlich betroffenen Familien zugutekommt.
Uns verbindet der Wunsch, dort zu helfen, wo ein Schicksalsschlag das Leben von Familien von einem Augenblick auf den anderen verändert.
Wir bringen unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten ein. Was uns eint, ist die Überzeugung, dass Menschen in einer solchen Situation nicht auch noch mit ihren Sorgen und ganz praktischen Problemen allein bleiben sollten.
Unser Verein steht noch am Anfang. Zunächst möchten wir finanzielle Unterstützung ermöglichen.
Perspektivisch wollen wir weitere Angebote der Orientierung, Trauerbegleitung und Begegnung entwickeln.